"Nicht der Schnellste und Stärkste siegt, sondern der, der denkt, dass er es kann." – die Saison aus Sicht des Trainers.

Mal wieder ist eine Saison vorbei und neben viel Schweiß, ein wenig Blut und Verletzungen kuriosester Art hatte ich diese Saisonsehr viel Spaß mit der Arbeit meines Trainerjobs.

 


Vor der Runde wollte ich eigentlich unsere männliche A-Jugend trainieren und bin eher auf Umwegen zu der männlichen B-Jugend gelangt. Hätte ich damals schon gewusst, was für eine geile Truppe da auf mich wartet, hätte ich mich sicher vorneweg für die B-Jugend entschieden. Auch die Wahl meiner Mittrainerin Juli, was sich auch relativ spontan ergeben hat, war die absolut richtige.
Einige der Jungs kamen aus einer schweren Württembergliga-Saison, in der sie mit nur 4 Punkten wenige Erfolgserlebnisse feiern konnten. Der andere Teil kam aus der Bezirksklasse C-Jugend, welche ich die Saison zuvor trainieren durfte und aus der B2 der letztjährigen B-Jugend, welche in der Kreisliga agierten. Dementsprechend waren die Ziele für die Saison auch sehr zurückhaltend. Mir wurde gesagt: „HVW kannst du schon melden, aber das werden eher Trainingsspiele.“
Von wegen! Den Jungs gelang die Qualifikation zur Württembergliga auf DIREKTEM Weg! Nach anfänglicher Skepsis war der Kampfgeist, nicht nur bei uns Trainern, sondern auch Spielern geweckt. Ein neues Spielsystem mit klaren Abläufen, gepaart mit einer offensiven Abwehr und der individuellen Stärke, war der Schlüssel zum Erfolg.
Nach dem erfolgreichen Abschneiden in der Quali war mir klar: wir brauchen neben einem zweiten Torhüter – falls sich Fabi verletzten sollte – auch noch zwei zusätzliche Rückraumspieler. Nach etlichen Scouting-Tagen in mehreren Hallen, bin ich auf Dominik von der SG Bargau/Bettringen aufmerksam geworden. In der ersten Trainingseinheit war er mit dem Trainingstempo ein wenig überfordert, so dass er mit dem Magen Probleme bekam -sorry Dominik ;). Mein Mannschaftskapitän meinte damals nur, super Tim der kommt nicht wieder… Anscheinend hat es ihm trotzdem gefallen und er entwickelte sich während der Saison zu einem Leistungsträger im Angriff, aber vor allem auch als zweikampfstarke „Eins“ in der Abwehr.
Die zwei anderen Doppelspielrechtler haben mich im Trainingsspiel gegen die TSG Schnaitheim überzeugt. Linkshänder Roman, welcher in allen Spielen, die ich von ihm gesehen habe, mich nicht überzeugen konnte drehte an diesem Tag richtig auf. Auch der Torhüter Jannik hatte einen Galatag und überzeugte mit zahlreichen Paraden aus 100%tigen Chancen. Da das Verhältnis zwischen den HSG und TSG Verantwortlichen ich sag mal – angespannt ist – hatte ich aber wenig Hoffnung. Doch beide Seiten gaben mir das Okay, haben den Vorteil für beide Vereine erkannt und ich hatte meine drei Spieler mit einem Doppelspielrecht. Nebenbei, die beiden Schnaitheimer sind auch Bezirksliga-Meister geworden, woran beide einen großen Anteil hatten.
In der Vorbereitung nutzen wir Turniere in Brenz und in Heidenheim, sowie Trainingsspiele gegen Schnaitheim und Günzburg zur Vorbereitung auf die Runde. Die Ergebnisse waren meist eher bescheiden. Dort war der Spaß eher im Vordergrund und das Wissen, dass man höherklassig spielt im Hinterkopf. Auch zweifelten die Jungs anfangs an meinem Spielsystem, viele Spielzüge wurden durch ein individuelles offenes Spiel ersetzt. Dementsprechend gestaltete sich auch das erste Spiel mit einer herbe Niederlage in Bottwar, bei dem ich mir mehr erhofft hatte. Worauf gleich eine Videoanalyse folgte um Fehler aufzuzeigen.
Die Trotzreaktion folgte nur ein Spiel später, mit einem Auswärtssieg bei dem späteren Tabellenzweiten aus Schwäbisch Gmünd. Gut das dritte Spiel in Oeffingen lass ich unkommentiert, aber mal so viel. Die Vorbereitung auf ein Spiel, beginnt am Abend vorher, nicht eine Stunde vor dem Spiel… - dass haben die Jungs an diesem Tag gelernt!
Kurios war die Verletzung von Basti, der sich beim Fußball Besuch unserer Freunde der SGM, die Hand so aufriss, dass er mit 7 Stichen genäht werden musste. Das machte das Vorhaben der nächsten Spieledeutlich schwerer, ABER! andere Spieler mussten seinen Part übernehmen, wovon der aus der Bezriksklasse kommende Colin profitieren konnte.
Ohne Basti und mit einer überragenden kämpferischen Leistung holten die Jungs einen Punkt gegen die stark eingeschätzten Flein-Horkheimer aus dem Heilbronner Raum. Im Nachhinein war das für mich die Wende der Saison, da die Jungs ab diesem Zeitpunkt an sich selbst glaubten. „Nicht der Schnellste und Stärkste siegt, sondern der, der denkt, dass er es kann.“ (unbekannt).
Zwar folgte eine herbe Niederlage gegen starke Bietigheimer, die am Ende punktverlustfrei Meister wurden, aber die erste Halbzeit konnten die Jungs ausgeglichen gestalten. Mit dem letzten Spiel im Jahr 2017 in Hofen, konnte auch Basti wieder ins Spielgeschehen einsteigen. Trotz einer schlechten Leistung verlor man das Spiel nur knapp. In der Winterpause wurde viel trainiert! Für manche Eltern unverständlich zwischen Weihnachten und Silvester ihre Kinder 3 mal in die Halle fahren zu müssen, für mich aber aufgrund meines Bildungsauftrages unvermeidbar. Erfolg wird einem nicht geschenkt - Pausen werfen einen zurück!
Was dann nachfolgte erfreute uns Trainer, den Eltern und Vereinsanhänger. Aus dem „Dorfhandball“ entwickelte sich ein attraktiver Handball, mit vielen Passstafetten und schönen Toren, was auch dieständig steigende Zuschaueranzahl belegte.
Erfreulich und erwähnenswert! Tilo Litke, der wahrscheinlich gutmütigste Mensch auf Erden, der einen unbändigen Trainingseifer besitzt und letztes Jahr in der zweiten Mannschaft auch eher Mitläufer war, machte das erste Tor gegen starke Herrenberger, worauf ich zu Juli sagte, dass wir das Spiel nicht verlieren können. Am Ende netzte er 2-mal und wir gewannen nach einem starken Spiel mit 5 Toren. An dem Tag ist auch der Name Aginalitke entstanden, nach dem berühmten spanischen Kreisläufer Aginagalde.
Mit diesem Sieg kam auch die Sicherheit. Die Jungs spielten sich in einen Rausch und das von Woche zu Woche. Zwar folgten zwei unglückliche Unentschieden gegen Bottwar und Oeffingen, bei denen man die bessere Mannschaft war, aber in beiden Spielen mit dem Schlusspfiff jeweils einen Punkt abgeben musste. Aber!! Im Hinspiel verlor man beide Spiele noch deutlich und wir sind wieder eine Erfahrung reicher, was die Cleverness zum Spielende angeht.
Ein Sieg in Kornwestheim war die logische Konsequenz nach der positiven Entwicklung. Ein 10 Tore-Sieg inklusive Kempator unseres Sprungwunders Elia gegen die JSG Neckar-Kocher wird mir auch länger in Erinnerung bleiben.
Das Highlight folgte am letzten Spieltag. Die ungeschlagene SGBBM Bietigheim war zu Gast. Zwar konnten Jannik und Roman nur sporadisch eingesetzt werden und Dominik musste zur Halbzeit gehen, da er mit seinem Heimatverein zeitgleich ein Spiel hatte, doch die Jungs gaben nochmal alles. Und wir hatten die Bietigheimer am Rande einer Niederlage. Leider fehlten am Ende die Kräfte und wir haben knapp, aber verdient verloren.

Ich möchte mich noch einmal bei der Firma ENT-Werkzeuge für die tolle Aufwärmbekleidung bedanken. Dadurch sind die Jungs immer einheitlich und als Team aufgelaufen, was erstens gut aussah, aber zweitens auch den Mannschaftszusammenhalt stärkte.

Mir bleibt nur zu sagen, dass ich hoffe, dass die Jungs dem Handball weiter so verfallen sind.
Einsatz, Engagement und Willen hab ich, außer in Oeffingen, nie vermisst.
Es war mir eine Ehre euch ein Jahr zu Coachen und ich hoffe, dass ich es irgendwann wieder machen darf.

Mit viel Wehmut, aber auch einem lächeln
Tim Hoga

Fakten zur Saison:
- Wir hatten zusammen 130 Trainingseinheiten.
- 11 Punkte in der Würrtemberliga und Platz 8 mit 4 Siegen 3 Unentschieden und 11 Niederlagen.
- Haben 448 geworfen und 498 Tore kassiert.
- Kai wurde drittbester Feldtorschütze der gesamten Württembergliga 1.
- Gegen 7 der 9 Gegner haben wir mindestens einmal gepunktet.

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